S T U D I E N A B B R U C H

Ich habe mein Studium abgebrochen.

Und damit bin ich nicht alleine. Eine Studie der Deutschen Hochschul- und Wissenschaftsforschung DZHW hat ergeben, dass 29 % der Bachelor-Student:innen ihr Studium abbrechen. Ich gehöre dazu.

Und trotzdem wird das in unserer Gesellschaft nicht gerne gesehen. Denn die ist auf Leistung getrimmt. „Wenn du dein Studium abbrichst, kommt das nicht gut im Lebenslauf.“ „Ahh, die weiß also nicht, was sie im Leben will.“ „Wenn du dein Studium abbrichst, bekommst du später einen schlechteren Job.“

Es gibt sehr viele Vorurteile und ein Studien- oder Ausbildungsabbruch wird nie besonders gerne gesehen. Wenn ich weiter studiere, werde ich erst später etwas für die Gesellschaft leisten können und den Leuten länger in den Taschen liegen.

Aber komischerweise war mir das egal. Die Depression hat mich gelehrt, dass nichts wichtiger ist, als das zu tun, was mich erfüllt und mir Spaß macht. Der Lockdown hat mich dazu gebracht das einzusehen.

Manchmal machte mir mein Sinologiestudium schon Spaß. Es war gut. Deswegen hielt ich es auch 4 Semester durch. Die guten Vorlesungen überwogen. Und ich denke in jedem Studium gibt es Fächer, die einem mal mehr und mal weniger Spaß machen. aber alles in allem fand ich das Studium gut. Meine Klausuren bestand ich meist mit 1,0 und ich hatte schnell Anschluss gefunden. Also eigentlich gab es keinen Grund abzubrechen, vor allem, weil es nur noch zwei Semester bis zum Bachelor gewesen wären. Die Meisten hätten diese beiden Semester noch über sich ergehen lassen. Und ich war versucht es auch zu tun. Aber ich habe schnell festgestellt, dass ich nicht zu den Meisten gehören möchte.

Schon im zweiten Semester begannen die Vorlesungen mir nicht mehr allzu viel Spaß zu machen. Ich schob es darauf, dass es wohl immer mal schlechtere und bessere Semester geben würde. Aber das dritte Semester wurde auch so. Im dritten Semester fehlte die Grundmotivation. Ich erfuhr, dass genau die Fächer nämlich auch im vierten Semester bleiben würden. Und da begann es in mir zu rattern. Really? Ich ging in immer weniger Vorlesungen, mit dem Gedanken, dass ich schon bestehen würde. In diesen Semestern ging es nämlich nur darum das Chinesische zu erlernen. Und irgendwann ging mir der Sprachkurs deutlich auf die Nerven. Ich lerne gerne Sprachen. Aber ich mochte es nicht, wenn mein Leben durchgehend nur daraus bestand. Noch dazu wusste ich nicht einmal, was ich mit diesem Studium würde anfangen können.

Aber dann kam der wirklich ausschlaggebende Grund. Schon seit dem zweiten Semester hatte ich immer so eine leise Stimme im Kopf gehabt: Das Studium ist gut, aber ich werde damit nicht glücklich. Durch das Studium habe ich sehr viele Perspektiven. Dieser Studiengang ist die Zukunft. Aber er macht mich nicht glücklich. Eigentlich würde ich lieber Psychologie studieren.

Aber dann wäre ich doch viel später dran als die anderen. Vielleicht studiere ich doch lieber zu Ende.

Aber dann wären diese zwei Jahre umsonst gewesen.

Aber ich weiß noch nicht einmal, ob ich bei Psychologie genommen werde. Sinologie ist sicherer. Am Ende stehe ich ohne nichts in der Tasche da.

Wird mir Psychologie wirklich Spaß machen? Wenn nein: Hätte ich das Studium umsonst abgebrochen?

Zusammengefasst:

Z W E I F E L

Aber diese Gedanken hatte ich dann auch im dritten Semester. Und im Vierten. Und dann nach langem Nachdenken, kam die Entscheidung. Denn tief im Inneren hatte ich es eigentlich schon die ganze Zeit entschieden: Ich wollte Psychologie studieren. Nichts anderes. Ich verschwendete meine Zeit mit etwas, das mir nur zu 70 % und nicht zu 100 % gefiel. Und das wollte ich nicht mehr. Selbst, wenn ich in Psychologie nicht genommen werden würde, wäre ich glücklicher, weil ich es wenigstens versucht hätte. Diese Jahre waren nicht umsonst, denn ich habe ja nicht nichts gelernt. Ich habe mir trotzdem jede Menge Wissen angeeignet. Es war keine Lücke im Lebenslauf. Das Studium abzubrechen bedeutet nicht immer, nicht zu wissen, was man will. Im schlimmsten Fall, weißt du, was du nicht willst. Das ist groß. Ich denke mein Fall ist der bessere. Denn der Studiengang hat mir gezeigt, was ich WIRKLICH will. Ich habe abgebrochen, nicht, weil ich nicht wusste, was ich will, sondern EBEN WEIL ich es wusste.

Vielleicht bin ich am Ende leistungsfähiger und kriege den Job, weil ich eben schon in mehrere Bereiche reimgeschnuppert habe. Vielleicht kriege ich den Job, weil ich mich von der Gesellschaft nicht unterkriegen lasse. Es gibt tausend Gründe, warum ein Studienabbruch für einen Lebenslauf sogar positiv sein kann.

Und selbst wenn ich dann den einen Job nicht bekomme, weil ich abgebrochen habe. ICH HÄTTE WENIGSTENS DAS GEMACHT, WAS ICH WILL. Das kann leider nicht jeder von sich behaupten.

Ich bestimme, was ich machen will. Am Ende muss ich das machen und kein anderer. Also nicht meine Eltern oder Großeltern oder Bekannten oder Freunde, ICH. Deswegen sollte ich auch glücklich sein und das tun, was mich glücklich macht und nicht die anderen. Und das gilt für jedes Alter. Egal ob 18, 25, 25 oder 65. Es ist nie zu spät etwas neues zu beginnen. Shoutout an die Depression, durch welche ich mich zu meiner obersten Priorität gemacht habe.

Selbst, wenn ich das Studium noch einmal abbrechen sollte: Ich werde für den Rest meines Lebens arbeiten. Machen diese paar Studienjahre wirklich so viel aus? Was passiert im allerschlimmsten Fall?

Menschen treten aus dem Fitnessstudio aus, wenn es ihnen nicht taugt. Sie wechseln das Musikinstrument oder das Auto. Warum also nicht auch das Studium?

Es ist in Ordnung zu Ende zu studieren. Es ist aber auch komplett in Ordnung, es nicht zu tun und seinem Bauchgefühl zu folgen. Du bist kein Außenseiter. Du wirst trotzdem einen Job bekommen, dein Lebenslauf wird trotzdem gut sein. Es kommt nur darauf an, wie du das der Person dir gegenüber erklärst. Treffe die Entscheidung, die für dich richtig ist und nicht für die anderen. Bitte tue dir den Gefallen. Du bist nicht alleine. Die Welt steht dir offen. Trau dich, du kannst alles erreichen, was du dir vorstellst. Und irgendeine Lösung gibt es immer.

Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

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