Dunkelheit und Finsternis

T R I G G E R W A R N U N G:

Dieser Post enthält potentiell triggernde Inhalte zum Thema Depressionen.

Solltest du dich auch nur ansatzweise so ähnlich fühlen, vergiss nicht: Du bist nicht allein und der Nebel wird eines Tages besser! Versuche dir Hilfe zu holen und versuche vor allem dir helfen zu lassen. Selbst der größte Schneesturm hört irgendwann auf zu wüten!

So kann es sich anfühlen Depressionen zu haben

Depressionen bedeuten Finsternis und Dunkelheit, tödliches Leiden und Seelenqual. Hat man Depressionen, so wird man außer Gefecht gesetzt. Sowohl das Innerliche als auch das Äußerliche. Nichts funktioniert mehr. Alles, was du tust ist in der Dunkelheit umherzuirren. Oder im dichten Nebel umherzuirren und zu hoffen, dass er sich irgendwann auflöst. Aber das passiert natürlich nicht. Der Nebel wird immer größer und gewaltiger, bis er dich vollkommen verschlingt. Du irrst herum und findest keinen Ausweg und irgendwann hast du Angst dich selbst vollkommen aufzulösen und zu verlieren. Irgendwann wirst du Teil des Nebels. Irgendwann gewöhnst du dich an den Nebel. Irgendwann wird der Nebel für dich zum strahlenden Sonnenschein, weil du es gar nicht mehr anders kennst und nicht von gutem Wetter unterscheiden kannst. Nebel ist Normalität. Irgendwann bist du nicht mehr du. Du bist ein Teil des Nebels, ein Teil der Finsternis, ein Teil des Leidens. Ich denke, das ist der Teil der Depression, der mir am meisten Angst macht. Ich habe Angst mich daran zu gewöhnen. Ich habe Angst, dass es für mich ganz normal wird, traurig zu sein. Ich habe Angst, womöglich Komfort in diesem Nebel zu finden. Ich habe Angst, dass ich mein Leben lang in ihm umherirre. Aber eigentlich ist das glaube ich schon längst eingetreten. Für mich ist es inzwischen normal aufzustehen und noch müder zu sein, als am Abend vorher, an dem man ins Bett gegangen ist. Es ist normal immer von Traurigkeit umhüllt herumzulaufen. Für mich ist es normal nicht lächeln zu können. Es ist normal nicht fähig zu sein aufzustehen. Es ist Alltag. Am Anfang fand ich es schlimm nicht lachen zu können. Weil lachen mal mein Alltag war. Aber inzwischen ist genau das Gegenteil zum Alltag geworden. Lachen bedeutet mir nichts mehr. Deswegen ist es auch nicht so schlimm, wenn ich es nicht mehr kann. Das macht mir Angst. Denn traurig sein, sollte nicht der Alltag sein. Es sollte nicht den ganzen Tag Nebel sein. Der Nebel löst sich normalerweise gegen Mittag rum auf. Oder zumindest im Laufe des Tages. Nur bei mir bleibt er durchgehend bestehen.

Dieser Nebel macht mich verrückt. Ich finde meinen Weg nicht mehr, ich habe keine Ahnung, wo ich bin, wer ich bin oder wo ich hinwill. Ich habe das Gefühl die Nebelwand hindert mich am Vorwärtskommen. Manchmal ist der Nebel so dicht, dass ich nicht atmen kann. Manchmal hindert er mich am Denken. Ich kann nicht mal richtig sehen. Geräusche werden eingedämpft, sogar meine Gedanken können zum Schweigen gebracht werden. Es ist scheußlich. Alle meine Sinne werden von diesem Nebel eingeschränkt. Ich kann mich nicht mal bewegen, denn vielleicht lauert vor mir ein Abgrund, den ich nicht erkennen kann. Die Angst hält meine bleiernen Muskeln davon zurück weiter umherzuirren. Mein Kopf ist viel zu voll und viel zu verwirrt, um alle diese Eindrücke zu sortieren oder irgendwas mit ihnen anzufangen. Ich bin außer Gefecht gesetzt. Mir ist schwindelig, ich muss mich hinlegen. Ich kann nichts tun. Der Nebel hindert mich am Leben.

Komisch, dass Nebel rückwärts gelesen Leben bedeutet. Aber, auch, wenn ich rückwärts gehe, kommt nichts dabei raus. Es ist hoffnungslos. Es ist Seelenqual. Was mir aber am meisten Furcht einjagt, ist dass du im Nebel die Realität nicht von deinen Gedanken unterscheiden kannst. Alles was du erkennst sind Silhouetten, aber du kannst sie kaum voneinander unterscheiden. Du siehst nicht, ob das vor dir jetzt ein Mensch oder ein Baum oder ein Haus ist. Du stehst im Nichts.  Und irgendwann fängst du an dir die Sachen vorzustellen, die vor dir sein könnten. Wahrscheinlich ist das wie in der Wüste. In der Wüste halluzinierst du auch nach bestimmter Zeit. Wenn dir Wasser fehlt, wenn es heiß ist, wenn du immer nur Wüste siehst. So ist das denke ich auch mit Nebel. Nur, dass es hier kalt ist, du nicht Wüste, sondern weit und breit nur weißen Rauch siehst und dass du dich nicht nach Wasser, sondern nach Leben sehnst. Aber der Nebel macht dich so verrückt, dass du irgendwann nicht mehr weißt, was wahr und was falsch ist.

So geht es mir mit der Depression. Ich weiß nicht, ob ich mich nicht konzentrieren kann, weil ich Depressionen habe, oder ob es heute einfach so ein Tag ist, wo es nicht geht. Jeder hat mal Momente, wo er abgelenkt ist. Ich weiß nicht, ob mein Knie von meiner Verletzung immer noch weh tut, oder ob die Depression es mich mir nur einbilden lässt. Ich weiß nicht, ob mich wirklich niemand mag, oder ob es mir die Depression einredet. Ich weiß nicht, ob ich wirklich einsam bin, oder ob es nur durch die Depression so ist. Ich weiß auch nicht, ob mir wirklich übel ist, wenn ich traurig bin oder ob ich mir das einrede. Ich weiß gar nichts mehr. Die Depression verzerrt meinen ganzen Blick auf die Wirklichkeit und ich kann die Realität von der Einbildung nicht mehr unterscheiden. Auch meine Träume verwirren mich. Ich träume so viel und kann mich an so viel erinnern, dass ich nicht weiß, ob das die Menschen wirklich zu mir gesagt haben, oder ob ich es nur geträumt habe. Daher kann ich manche Menschen gar nicht mehr ansehen, obwohl sie diese Sachen vielleicht gar nicht gesagt haben. Ich traue mich auch nicht mit ihnen zu reden aus Angst ich könnte etwas erwähnen, was sie nie behauptet haben. Ich weiß es einfach nicht mehr und das macht mir zu schaffen. Ich kann mir selbst nicht mehr vertrauen. Und dabei war das immer mein größter Halt. Océane,  du hast dich selbst, du brauchst dir keine Sorgen machen, du kümmerst dich um dich. Aber ich habe mich selbst im Nebel verloren. Ich kann mich nicht mehr um mich kümmern.


Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

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