Wie steht man für sich ein?

Ich möchte mehr für mich einstehen. Durch meine Therapie habe ich schon einiges übers Grenzen setzen und Für Sich Einstehen gelernt. Aber in meinem Alltag merke ich immer noch, wie ich manchmal doch einen Rückzieher mache bzw. doch nicht zu 100 % für mich einstehe. Genau das möchte ich ändern und frage mich momentan deswegen viel: Wie steht man für sich ein? Ein bisschen Ahnung habe ich zwar, aber ich fühle mich doch irgendwie bei dem Thema ein bisschen verloren.

Ein Beispiel: Ich bin seit Wochen, bald Monaten krank und es geht mir nicht besser. Meine Ärztin meinte beim letzten Besuch, ich solle diese Woche wiederkommen, um mir Blut abnehmen zu lassen. Ich rufe also in der Praxis an und erläutere meine Situation und, dass ich doch bitte einen Termin bräuchte (halbwegs dingend, wie gesagt, es zieht sich schon sehr lange). Die Antwort, die ich bekomme: Diese Woche geht überhaupt nicht, es ist viel zu voll, irgendwann ist dann auch gut mit Terminen. oookkkaayy. Ich habe dann noch halbwegs versucht zu erklären, dass der Termin wirklich wichtig wäre, aber das war es dann auch. Auch, wenn ich vermutlich trotzdem keinen Termin bekommen hätte, wünsche ich mir immer noch, ich hätte den Mut gehabt mehr für mich und meine Gesundheit einzustehen.

Also habe ich mich nochmal ein bisschen schlau gemacht und wollte meine Gedanken dazu teilen.


sich seine Bedürfnisse bewusst machen

Wer seine Grenzen, Bedürfnisse und sein Wohlbefinden nicht einordnen kann, dem wird es auch schwer fallen, für sich Grenzen zu setzen. Denn: Wofür soll man dann einstehen? Dann hat man ja nichts. Deswegen ist das wohl der erste Schritt, um mehr für sich einstehen zu können. Immer wieder innehalten im Alltag und sich fragen:

Wie geht es mir wirklich? Was möchte ich in diesem Moment gerne? Was würde mir in diesem Moment gut tun?

In anderen Worten: achtsam mit sich selbst sein. Vielleicht auch meditieren oder mal einen Spaziergang ohne Kopfhörer machen, um Zeit zu haben nachzudenken. Ich muss noch schauen, was am besten für mich passt, aber ich glaube jeder muss für sich rausfinden, was am besten ist.

fair sein

Ich habe diesen Tipp im Podcast von Stefanie Stahl gehört (ist unten verlinkt) und habe mir gedacht: wow, den Gedanken hatte ich noch gar nicht. Denn:

Ist es fair der anderen Person gegenüber, wenn ich mich so verhalte und nichts (über meine Bedürfnisse) sage?

Mit sich „so“ verhalten meine ich zum Beispiel nicht zu sagen, was man denkt, um en anderen nicht zu verletzen. Wenn man zurücksteckt, um jemanden nicht zu verletzen, ist das dann fair für die Person? Würde sie sich vielleicht nicht über ein ehrliches Feedback freuen? Wenn man sich über die andere Person ärgert und nichts sagt, ist es fair ihr gegenüber? Man gibt ihr nicht die Chance sich zu verbessern und gefährdet so vielleicht sogar die Beziehung. Ich fand diesen Gedanken mindblowing und ich glaube mir persönlich wird er helfen besser für mich einzustehen.

50:50

Eine Beziehung auf Augenhöhe besteht zu 50 % aus der anderen Person, aber auch zu 50 % aus mir. Wenn ich nicht für mich einstehe/meine Meinung sage, dann besteht die Beziehung zu 100 % aus der anderen Person. Und hier wieder zum Thema Fairness: Es wäre weder für die andere Person toll, wenn sie alles entscheiden muss, noch für mich, weil ich nichts entscheiden kann.

es hat nichts mit Egoismus zu tun

Für sich einstehen hat nichts mit Egoismus zu tun. Für sich einstehen bedeutet nämlich nicht, um jeden Preis seinen Willen durchzusetzen und nur das zu tun, was man will. Es kann vielleicht auch einfach nur bedeuten, dass man einen Kompromiss eingeht oder überhaupt mal seine Meinung äußert.

small steps

Man muss nicht von heute auf morgen plötzlich für sich einstehen können. Es reicht, wenn man klein anfängt und immer mal wieder übt. Dabei kann es helfen, das Umfeld einzuweihen und ihm zu erklären, dass man mehr Selbstvertrauen erreichen will oder jetzt aktiv daran arbeitet. Ein kleiner Schritt wäre zum Beispiel, dass du die Situation, in der du nicht für dich eingestanden bist, überhaupt mal erkennst. Oder dass du beim Filmabend, den Film vorschlägst, den du gerne schauen willst und nicht den Vorschlag der anderen einfach so hinnimmst (unabhängig davon, ob ihr den am Ende schaut oder nicht). Du könntest auch damit anfangen in Situationen, in denen du unsicher bist, vielleicht einfach mal lauter zu sprechen (oft nuschelt man ja auch, wenn man sich unsicher fühlt). Ich finde der Gedanke, dass man sich Zeit lassen darf und es nicht von heute auf morgen gehen muss, hilft.


Zum Thema für sich selbst einstehen gehört natürlich mehr. Selbstbewusstsein aufbauen wäre zum Beispiel etwas, woran man noch arbeiten könnte. oder auch seine Glaubenssätze zu überprüfen.

Warum glaube ich mich zurücknehmen zu müssen?

Warum bin ich lieber still, als für mich einzustehen?

Darüber zu reflektieren lohnt sich mit Sicherheit auch.

Was sind deine Gedanken dazu? Wie stehst du für dich ein?

Hier ist noch die Podcastfolge, über die ich gesprochen habe:

Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

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