Warum ich mich verletzlich zeige

„Wusstest du, dass es ganz viele Menschen gibt, die dieses Problem haben?“, fragte mich mal eine Therapeutin. Meine Antwort: „Nein“

„Ich bin die Einzige, die das jemals in meinem Umfeld angesprochen hat“, erkläre ich. „Und keiner hat etwas dazu gesagt“. Also blieb ich in dem Glauben, ich wäre ein Außenseiter, schämte mich, fühlte mich alleine.

„Du bist nicht die Einzige. Es redet nur keiner drüber.“ Meine Einzige Antwort war: „Aber warum?“ Und das konnte mir die Therapeutin auch nicht sagen.

Dabei wäre das alles, was ich gebraucht hätte. Dass jemand darüber redete. Denn ich weiß heute, dass es vielen Menschen so gehen kann. Ich hätte alles gegeben, um zu hören, dass es noch jemand auf dieser Welt gab, der das durchmachte. Und sei es nur ein paar Zeilen in einem Blog darüber zu lesen. Oder vielleicht einfach jemanden, den man um Rat fragen kann. Oder über seine Erfahrungen. Aber: Keiner spricht drüber, deshalb dachte ich, ich sei alleine.

Aber das bin ich nicht. Es fällt wahnsinnig schwer über solche Dinge zu sprechen. In der heutigen Gesellschaft darf man sich nicht verletzlich zeigen. Wenn du verletzlich bist, bist du schwach. Bist du schwach, überlebst du nicht. Aber das stimmt nicht. Denn wir sind alle schwach. Der ausgeleierte Spruch: „Wir haben alle unser Päckchen.“ ist wahr. Jeder hat mit etwas zu kämpfen, doch keiner gibt es zu, aus Angst als Versager abgestempelt oder ausgeschlossen zu werden.

Und genau deswegen habe ich damit angefangen. Denn vielleicht gibt es jemanden da draußen, den es retten kann zu wissen, dass er nicht alleine ist. Vielleicht, und wenn es in meinem Leben eine Person ist, gibt es jemandem, dem ich durch meine Erfahrungen weiterbringen kann. Ich weiß, dass ich mir gewünscht hätte, dass jemand offen darüber spricht. Ich weiß, dass es mir geholfen hätte. Ich hätte gewusst: Ich bin nicht falsch. Es ist in Ordnung so zu fühlen. Ich bin nicht alleine.

Und genau deswegen mache ich es.

Sich verletzlich zu zeigen ist nicht schwach oder dämlich.

Sich verletzlich zu zeigen ist menschlich.

Ich möchte nicht, dass Gefühle stigmatisiert werden, wenn wir sie doch alle irgendwie fühlen. Jeder fühlt, jeder lebt, jeder hat seine Kämpfe.

Wieso sollten sie also ignoriert und verschwiegen werden?

Sich auszutauschen kann befreiend sein, oder auch einfach nur zu wissen, dass man am Ende doch nur ein Mensch wie alle anderen ist.

Du bist nicht alleine und du darfst dich so fühlen wie du dich fühlst.

Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

3 Kommentare zu „Warum ich mich verletzlich zeige

  1. Und es gehört viel Stärke dazu über seine eigenen „Schwächen“ zu sprechen… Du kannst so unglaublich stolz auf dich selbst sein, dass du diesen Mut hast! Ich bewundere dich sehr dafür!

    Gefällt 1 Person

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