SOZIALE ANGST

Schon mal im Unterricht nicht gemeldet, weil du Angst davor hattest etwas falsch zu sagen?

Bist du schon mal nicht auf eine Veranstaltung gegangen aus Angst dich zu blamieren?

Hast du in einer Gruppe Menschen mal eher nichts gesagt, weil du befürchtest hast du könntest ausgelacht werden?

Hast du Angst im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen?

Hast du Angst in der Öffentlichkeit zu essen?

In gewisser Weise kennen wir alle die soziale Phobie. Jeder hat solche Situationen bereits erlebt. Doch bei der sozialen Phobie/Angst beginnt diese Angst dein Alltag komplett zu beeinträchtigen. Wichtig: Die Soziale Phobie ist nicht die Angst von Menschen, sonder eher die Angst von den Menschen verurteilt zu werden oder sich zu blamieren.

Soziale Angst kann in Begleitung von Depression auftreten. Die Lebenszeitprävalenz der sozialen Phobie (also, dass die Phobie bei einem Mensch im Laufe seines Lebens zum Thema wird) beträgt 10 %. Jeder zehnte ist also im Laufe seines Lebens davon betroffen. Ich gehöre dazu.

Eine Soziale Phobie bedeutet nicht introvertiert sein

Denn ist man introvertiert, dann hat man keine Angst. Dann hat man keine Angst, schlecht bewertet, ausgelacht zu werden oder sich zu blamieren. Man möchte eben vielleicht eben gerade nichts mit anderen unternehmen. Introvertiert möchte manchmal einfach nicht. Soziale Phobie möchte, aber kann nicht.

Eine Soziale Phobie bedeutet auch nicht schüchtern zu sein

Schüchternheit ist etwas, das erlernt werden und deswegen auch relativ schnell verändert und abtrainiert werden kann. Die Schüchternheit kann in eine soziale Phobie übergehen und zu Vermeidung oder Isolation führen. Aber Schüchternheit ist nicht direkt soziale Angst, auch, wenn man trotzdem sehr zurückhaltend ist und Angst vor zwischenmenschlichem oder unbekanntem Kontakt hat.

Hier mal ein Paar Beispiele aus meinem Leben:

Ich kaufe mir lieber das Buch für die Uni, das 70€ kostet, anstatt auf meinen Kommilitonen zuzugehen und ihn zu fragen, ob ich es mir ausleihen kann. Ich habe Angst, er könnte mich für dumm abstempeln.

Wenn ich telefonieren muss, bekomme ich schwitzige Hände, Herzrasen und Magenkrämpfe. Was, wenn ich erstmal nichts erwidern kann? Ich kenne die Person nicht, was, wenn sie mich verurteilt?

Ich traue mich nicht an manchen Gesprächen oder Diskussionen teilzunehmen, weil meine Ansichten doch etwas anders sind und ich Angst habe ich könnte ausgelacht oder ausgeschlossen werden.

Ich bin an meinem Geburtstag mal weinend weggerannt, weil ich im Zentrum der Aufmerksamkeit stand und laut für mich gesungen wurde.

Ich traue mich nicht auf Partys zu gehen, auf denen ich niemanden kenne, ich könnte für blöd befunden werden. Ich finde Smalltalk sinnlos und bescheuert, mir fällt nichts ein, was ich sagen könnte, weil was, wenn es den anderen nicht interessiert und ich dann einfach links liegengelassen werde und alleine in der Ecke sitze? Dann bleibe ich vielleicht doch eher zu Hause.

Wenn ich in der Uni ein Referat halten muss, wird mir bei dem Gedanken übel. Mein Herz rast, mein Magen krampft sich zusammen, meine Atmung wird schnell, ich zittere, meine Hände schwitzen. Das ist mehr als nur Prüfungsangst. Ich habe nicht Angst vor der Prüfung an sich, sondern als Person schlecht beurteilt zu werden.

Ich traue mich nicht manche neue Dinge zu tun, wenn man mir zuschaut. Ich könnte blöd angeschaut und negativ beurteilt werden. Obwohl jeder weiß, dass ich das zum ersten Mal mache. Vielleicht mögen mich dann die Leute nicht mehr.

Ich traue mich nicht beim Buchladen anzurufen, um zu wissen, was die aktuellen Corona-Maßnahmen sind und ob ich hinkann. Auf meine E-Mail hat keiner geantwortet und auf der Website waren keine Infos. Bevor ich anrufen muss, bleibe ich dann doch lieber zu Hause, obwohl ich das Buch doch gerne gehabt hätte.

Wenn das das Leben mal nicht einschränkt…

Es ist besser geworden. Es ist noch da. Aber deutlich besser geworden. Natürlich hat diese Angst auch mit einem geringen Bewusstsein zu tun. Aber vielleicht auch durch gewisse Erfahrungen, die man in der Vergangenheit gemacht hat. Es gibt einige Gründe für eine soziale Phobie.

Oft ist es bei der Sozialen Phobie so, dass sich ein gewisses Sicherheitsverhalten entwickelt. Bei mir ist das zum Beispiel übermäßige Organisation und Perfektionismus. Wenn ich für das Referat ALLES weiß, dann kann ich mich auch nicht blamieren. Wenn meine Nachhilfestunden der Woche perfekt durchgeplant sind, kann ich mich auch nicht durch Ratlosigkeit, Stille oder kein Wissen blamieren. Wenn ich mir drei Stunden vor der Party überlege, was ich anziehen möchte, dann nicht, weil ich ein Modefreak bin, sondern, weil ich mir sicher sein will, dass keiner über mich lästert.

Zu Symptomen der Sozialen Phobie kann gehören:

  • Erröten
  • Zittern
  • Herzrasen
  • Blackout
  • Angst vor Kritik
  • Vermeidungsverhalten, Isolation
  • niedriges Selbstwertgefühl
  • Vermehrter Harndrang
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Vermeiden von Blickkontakten
  • Angst vor anderen zu essen
  • Angst im Mittelpunkt zu stehen
  • Angst in der Öffentlichkeit zu sprechen
  • Panikattacken

Zur Diagnostik gehören natürlich noch einige andere Dinge dazu, zum Beispiel wie lange das alles schon Vorliegt. Aber darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen, sondern eher darüber allgemein aufzuklären.

Das Gute ist, man kann einiges gegen die Soziale Phobie tun:

  1. Selbstbewusstsein stärken (dazu habe ich bereits einen Beitrag geschrieben)
  2. Konfrontation (nicht schön, aber es ist im Endeffekt das Einzige, was wirklich hilft)
  3. Therapie
  4. Sich über Verhalten bewusst werden, Situationshierarchie erstellen. Was macht mir überhaupt Angst?
  5. Achtsamkeit oder Entspannungstraining
  6. Bestimmte Gedanken

Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

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