Besuch beim Psychiater – Wie läuft es ab?

Ich glaube davor hätte jeder Angst. Zumindest würde sich jeder ziemlich unbehaglich fühlen. Ich habe das jedenfalls. Es gibt immer noch viel zu viele Vorurteile, was Psychologen und auch Psychiater angeht.

Dunkle, alte Räume, grelles Licht, Patienten, die zur Therapie gezwungen und in enge Kammern weggesperrt werden. Hysterische und schreiende Patienten, die durch Medikamente ruhiggestellt werden. Medikation, Gehirnwäsche, Zwang.

Vieles davon hat man zumindest schon einmal gehört. Dabei ist ein Besuch beim Psychiater ziemlich genau das Gegenteil. Ich möchte dir in diesem Beitrag die Angst vor einem Besuch beim Psychiater nehmen und dir meinen üblichen Ablauf dort ein bisschen erläutern.

P S Y C H I A T E R – P S Y C H O L O G E

Zunächst kurz zum Unterschied von Psychiater und Psychologe. Im Prinzip besteht der Unterschied im Studium. Der Psychiater hat Medizin studiert, während der Psychologe Psychologie studiert hat. Psychotherapeuten können Medizin oder Psychologie studiert haben.

DAS UNGEWISSE

Das Ungewisse ist das wovor ich am meisten Angst hatte, bevor ich zum allerersten Mal dort war. Ich hatte noch nie von jemandem gehört, der bereits dort gewesen ist und mir hätte davon berichten können. Im Internet wurde ich, bis auf die ganzen Vorurteile auch nicht wirklich fündig. Woher sollte mein 16-jähriges, eingeschüchtertes, ängstliches und erniedrigtes Ich wissen, was man dort macht? Aus diesem Anlass, schreibe ich diesem Beitrag und hoffe, ich kann dir damit ein bisschen helfen.

Was passiert beim Psychiater ?

Erst einmal: Die Praxis war hell beleuchtet und modern. Sie hatte nichts mit dem zu tun, was man normalerweise also im Sinn hatte. Meine Psychiaterin war sehr nett und offen. Sie hat mich sehr ernst genommen. Ich wurde zu nichts gezwungen und erst recht nicht zu Medikamenten.

Im Prinzip funktioniert das wie ein ganz normaler Arztbesuch. Am Anfang bekomme ich meistens einen oder mehrere Fragebögen zum Ausfüllen. Es geht grundsätzlich um meine Stimmung, darum wie ich mich fühle und darum welche Nebenwirkungen meine Medikamente haben könnten. Machmal bekomme ich auch Fragebögen mit nach Hause, die mir nahestehende Personen ausfüllen sollen. Am Anfang waren es ein paar mehr Fragebögen, lass dich davon nicht abschrecken.

Nach dem Ausfüllen der Fragebögen, werde ich zum Wiegen, Blutdruck- und Körpergröße messen gebracht. Auch das sind zum Teil Maßnahmen, um zum Beispiel, die Wirkung der Medikamente zu kontrollieren. Hierbei brauchst du dir keine Sorgen machen, im Prinzip musst du dich zum Beispiel beim Wiegen nicht ausziehen und diese Vorgänge sind innerhalb weniger Minuten beendet.

Die beiden Schritte müssen je nachdem auch nicht immer stattfinden, bei mir ist das aber mindestens jedes zweites Mal.

Gespräch mit der Ärztin. Sind diese Schritte erledigt wirst du vom Psychiater/Psychiaterin geholt und du unterhältst dich mit ihr. Eigentlich ist das ganz genauso wie beim Hausarzt. Du äußerst deine Probleme oder Beschwerden, er/sie stellt dir fragen, ihr besprecht mögliche Lösungen für dein Problem. Wenn du dieses Gespräch nicht alleine bewältigen willst, darfst du auch immer eine Person deines Vertrauens mit hineinnehmen (davon mache ich meistens selber auch gebrauch).

Anfangs habe ich außerdem mit einer Psychologin einen IQ-Test gemacht, du siehst also Besuche beim Psychiater können vielseitig sein. Das heißt natürlich nicht, dass du auch einen IQ-Test machen musst und ich denke, was gemacht wird ist auch sehr individuell. Hier geht es um meine Besuche, die inzwischen eine gewisse Routine haben und um Schritte, die bei dir eventuell auch gemacht werden könnten. Ich möchte dir die Angst von einem solchen Termin nehmen.

WIE OFT?

Anfangs waren die Termine bei mir circa alle 4 bis 5 Wochen. Inzwischen sind es ungefähr alle 2-5 Monate, je nachdem, ob wir zum Beispiel die Dosis der Medikamente geändert haben. WIR. Ich habe gerade tatsächlich wir gesagt. Bisher hat meine Psychiaterin nie etwas gegen meinen Willen getan, ich habe nur Medikamente verschrieben bekommen, weil ich es wollte. Die Dosis wurde nur erhöht, weil ich es wollte und einverstanden war es zu tun. Ich fühle mich von meiner Psychiaterin, die ich nun seit 3 Jahren besuche, sehr ernst genommen. DU MUSST NICHTS MACHEN, WAS DU NICHT WILLST UND DU DARFST ÜBER DIE BEHANDLUNG MITBESTIMMEN. Das solltest du wissen, bevor du zum ersten Mal zu diesem Termin gehst.

Anfangs wird auch nicht unbedingt nur über Beschwerden, Krankheiten oder Therapie gesprochen. In der ersten Stunde wollte sie auch sehr viel einfach über mich und meine Geschichte wissen.

Du siehst also, du brauchst keine Angst zu haben. Psychiater/innen wollen dir nichts Böses, im Gegenteil sie wollen dir helfen gesund zu werden. Behalte es immer im Hinterkopf. Psychiater sind auch nur Menschen.

Du schaffst das. Und vor allem: Du bist nicht alleine!

Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

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