S e e l e n f r i e d e n

Wenn du es einmal gespürt hast, wirst du alles tun, um es wieder erleben zu dürfen.

Bis jetzt ist mir das nur selten passiert.

Es war ein warmer Sommertag. Abends mache ich mich mit meinem Freund, einer Picknickdecke und ganz viel Essen auf zum See. Am See sind tausende von Menschen, aber weil wir hier wohnen wissen wir genau, wo wir hinmüssen, um der Masse zu entfliehen.

Angekommen ist es, als wären wir in einem anderen Land.

In meinem Kopf herrscht kein Krieg. Meine Gedanken befinden sich im Waffenstillstand. Ich verurteile mich nicht, für das, was ich esse oder nicht esse. Ich denke nicht an alles, was ich noch zu tun und zu erledigen habe. Ich denke nicht daran, nicht zu wissen, was in Zukunft passieren wird. Ich verurteile mich nicht für meinen Körper und für das, was ich tue. Ich mache mich nicht runter für das, was ich geschafft oder nicht geschafft habe. Ich vergleiche mich nicht mit anderen. Die Trauer ist nicht da. Time out.

Und das passiert mir selten. Dass alles in meinem Kopf still ist. Dass mein Kopf sich nicht so anfühlt, als würde ich explodieren. Dass mich meine Gedanken so runterziehen, dass ich gar nicht mehr weiß wer oder wo ich bin. Mein Kopf ist leer und ich habe das Gefühl, dass sich der Nebel, der seit Jahren darin herrscht endlich aufgelöst hat. Ich nehme alles plötzlich viel intensiver war als sonst.

Mein Kiefer ist nicht verspannt, zum ersten Mal seit einer Ewigkeit presse ich nicht unbewusst die Zähne wie verrückt aufeinander.

Meine Brust fühlt sich nicht an wie zugeschnürt. Ich kann atmen!

Ich liege auf meiner Decke und halte die Füße ins Wasser. Ich atme, ich denke nicht. Es weht ein erfrischender Wind, der all meine Gedanken wegzublasen scheint. Hin und wieder schließe ich die Augen. Ich lausche den winzigen Wellen, dem Wind, den Ästen, die im Wind rascheln. Wenn ich die Augen wieder öffne, blicke ich auf die langsam untergehende Sonne. Auf das sich im Wasser spiegelnde Licht. Ich sehe die Boote, die sich mit den Wellen zusammen bewegen und wünsche mir selbst eines zu besitzen.

Wir sind alleine hier. Wir sitzen am keinen Steinstrand, den die Touristen nicht zu kennen scheinen. Es kommen keine Menschen vorbei, die mir verurteilende Blicke zuwerfen könnten. Es kommen keine Menschen, die meinen Frieden stören könnten.

Ich komme zur Ruhe. Und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit wünsche ich mir ich könnte die Zeit anhalten und für immer in diesem Moment bleiben. So stelle ich mir das Paradies vor.

Frieden. In mir herrscht Frieden.

Ich weiß nicht, wie lange dieses Gefühl in mir anhalten wird. Es ist mir fremd, aber es gefällt mir so sehr! In diesem Moment geht es mir gut, ich bin dankbar hier sein zu dürfen. Ich bin dankbar am Leben zu sein. Ich bin dankbar nie aufgegeben zu haben. Ich bin so dankbar, dass es mir egal ist, dass ich im Bett vielleicht wieder in alte Gewohnheiten versinken könnte. Ich lebe jetzt im Moment und versuche mir diesen Augenblick so gut wie möglich einzuprägen. Ich mache mir keine Gedanken. Ich überdenke meine nächste Handlung keine zwanzigtausend Mal.

Und komischerweise hält dieses Gefühl den ganzen Abend an. Als wir nach Haue laufen. Als wir draußen am Kamin sitzen und den Vollmond betrachten. Als ich einschlafe. Ich bin dankbar dafür.

Ich glaube so muss es sich anfühlen, wenn man Seelenfrieden schließt. Und ich wünsche es wirklich jedem einzelnen von euch. Denn hat man es ein Mal gespürt, tut man alles, um es nicht mehr zu verlieren. Haltet euch an solchen friedlichen Momenten fest und erinnert euch an sie, wenn es euch mal nicht so gut geht. Erinnert euch daran, wie es sich anfühlen kann zu leben.

Veröffentlicht von mayyoulive

g e t b u s y l i v i n g

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